Hummel und Biene auf den Blüten des Jakobskreuzkraut

Das gelb blühende Jakobskreuzkraut (bot. Senecio jacobaea), das ab Mitte Juli unser Auge erfreut, ist eine heimische Pflanze, die zahlreichen Insekten als wichtige Nahrungsquelle dient. Bedauerlicherweise wird auf das hübsche Kraut jedoch seit einigen Jahren eine regelrechte Hexenjagd veranstaltet. Die beiden Hauptargumente lauten dabei: Das Kraut ist tödlich für Weidetiere und vergiftet unseren Honig.

Was ist dran an dieser Medienhysterie rund um das Jakobskreuzkraut?

  • Ist das Jakobskreuzkraut (JKK), auch Jacobs-Greiskraut genannt, tatsächlich ein Problem für uns Imker?
  • Kann man noch bedenkenlos Honig essen?
  • Ist das Jakobskreuzkraut am Wegesrand eine Gefahr für spielende Kinder?
Hummel auf den Blüten des Jakobskreuzkraut

Durch die sozialen Medien sind die Menschen in der Lage, sich schnell und ohne viel Aufwand zu vernetzen und sich unkompliziert mit Anderen auszutauschen oder die persönliche Meinung öffentlich kundzutun. Prinzipiell eine schöne Sache … Das Problem dabei ist jedoch leider, dass es dem ein oder anderen von uns schwer fällt, auf Anhieb zu erkennen, welche dieser Mitteilungen der Wahrheit entsprechen und ob diese dem Wohl der Allgemeinheit dienen und welche dieser Mitteilungen ungeprüft und unwissend bzw. unbelegt in die Welt hinausposaunt werden.

Um der Panikmache rund um das Thema Jakobskreuzkraut etwas Wind aus den Segeln zu nehmen, haben wir vom Vorstand der GrenzlandBienen daher die folgende Linksammlung zusammengestellt:

Es steht außer Frage, dass das Jakobskreuzkraut speziell für Pferde zum echten Problem werden kann. Bereits der Verzehr kleiner Mengen dieses giftigen Krauts kann für ein Pferd tödlich enden. Prinzipiell verschmähen Weidetiere instinktiv das extrem bitter schmeckende Kraut. Doch sobald das Jakobskreuzkraut versehentlich im gemähten Heu landet, wird es zur tödlichen Gefahr. Getrocknet verliert es nämlich seine geschmacklich abstoßende Wirkung und wird von den Pferden einfach mitgefressen. Es ist also durchaus verständlich, dass Pferdebesitzer ihre Weiden und vor allen Dingen die Felder, auf denen Futtergras angebaut wird, absolut freihalten möchten vom für die Pferde tückischen Jakobskreuzkraut.

Völlig unverständlich ist es jedoch, das Jakobskreuzkraut komplett zu verteufeln und es in einem gänzlich übertriebenem Aktionismus überall ausreißen und ausrotten zu wollen. Es gibt genügend Stellen, an denen man das Kraut gefahrlos wachsen lassen kann. Neben dem Jakobskreuzkraut gibt es unzählige giftige Pflanzen in der Natur und alle haben ihre Daseinsberechtigung. Es wäre eine ökologische Katastrophe von ungeahntem Ausmaße, wenn wir alle Giftpflanzen ausrotten würden.

Biene beim Besuch der Jakobskreuzkraut-Blüten

Nutzen Bienen das Jakobskreuzkraut als Trachtquelle?

Grundsätzlich finden Honigbienen das Jakobskreuzkraut ziemlich uninteressant. So lange es genügend schmackhaftere und anziehendere Trachtquellen für die Honigbienen gibt, verschmähen sie Pollen und Nektar der gelben Blüten. Wenn es jedoch in der Umgebung nichts Anderes mehr zu holen gibt, fliegen die Bienen durchaus auch das Jakobskreuzkraut an. Ja!

Für die Bienen selbst ist das im Jakobskreuzkraut enthaltene Gift (Pyrrolizidinalkaloid) im übrigen vollkommen unschädlich – genau wie für viele andere Insekten.

Die Blütezeit des Jakobskreuzkrautes beginnt Mitte/Ende Juli. Also zu einem Zeitpunkt, an dem die meisten Imker ohnehin bereits den letzten Honig des Jahres geerntet haben. Hierzulande landen folglich in der Regel nur mikroskopisch kleine Mengen des giftigen Alkaloids im Honigglas. Zudem haben Forscher in Kiel bereits im Jahre 2014 herausgefunden, dass sich die Pyrrolizidinalkaloide im Honig innerhalb kürzester Zeit nach der Honigernte bereits wieder verlieren. Schon nach 40 Tagen waren die Werte drastisch gesunken und nach 4 Monaten gar nicht mehr messbar. (Quelle: kn-online.de)

Wer Bedenken wegen eines eventuell vorhandenen PA-Wertes im Honig haben sollte, möge einfach zum Honig des Vorjahres greifen oder den frisch geernteten Honig noch 3-4 Monate weiter im Glas reifen lassen. Spätestens nach 4 Monaten haben sich alle möglicherweise vorhandenen Gifte vollkommen verflüchtigt. Wurde der Honig bereits im Juni geerntet braucht man sich überhaupt keine Gedanken über mögliche Jakobskreuzkraut-Gifte im Honig machen, weil zu diesem Zeitpunkt das Kraut noch gar nicht blüht und obendrein viele andere Pflanzen eine deutlich attraktivere Tracht bieten.

Artenvielfalt fördern! Reichhaltiges Angebot an bienenfreundlichen Pflanzen für Balkon und Garten

Jeder, der sich um den höchst schmackhaften und gesunden Sommerhonig sorgt, kann selbst tatkräftig dabei mithelfen, im Garten oder auf dem Balkon auch ab Mitte Juli noch einen reich gedeckten abwechslungsreichen Tisch für die Bienen anzubieten. Zu den spätblühenden Pflanzen zählen zum Beispiel:

Besenheide, Bienenbaum, Brombeere, Efeu, Faulbaum, Himbeere, Lavendel, Wildrosen (ungefüllt), Clematis, Wilder Wein, Acker-Witwenblume, Agastache, Akelei, Alant, Aster, Ballonblume, Becherpflanze, Beinwell, Blutweiderich, Ehrenpreis, Fette Henne, Gänseblümchen, Glockenblumen, Herzgespann, Hornklee, Johanniskraut, Katzenminze, Klee, Kronbart, Lilien, Mannstreu, Mauerpfeffer, Minze, Nachtkerzen, Oregano, Phlox, Platterbsen, Sonnenhut, Thymian, Malven, Wegwarte, Weidenröschen, Ysop, Zitronenmelisse, Bartblume, Dahlien, Eisenkraut, Fenchel, Resede, Ringelblumen, Hibiskus, Kapuzinerkresse, Koriander, Margeriten, Büschelschön, Schmuckkörbchen, Sonnenblumen, Steinklee, Stockrosen, Studentenblumen, Vanilleblumen, Edeldisteln, Gilbweiderich, Hahnenfuß, Hauhechel, Kratzdisteln, Rainfarn, Schafgarbe, Wilde Möhren, Zaunrüben, Ziest, etc. …

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hält auf seiner Internetseite eine kostenlose Infobroschüre bereit mit einer breit gefächerten Auswahl an bienenfreundlichen Pflanzen, siehe: Jetzt Bienen füttern! – Pflanzenlexikon für Balkon und Garten

Jakobskreuzkraut während der Blüte im Juli

Darf man Jakobskreuzkraut anfassen?

Jakobskreuzkraut ist vollkommen ungefährlich, wenn man es anfasst! Da es ja tatsächlich in den vergangenen Jahren stellenweise ziemlich explodiert ist und es wahrlich nicht auf der Liste mit gefährdeten Pflanzen steht, kann man völlig bedenkenlos einen dicken Blumenstrauß davon pflücken ohne sich einer Gefahr auszusetzen.

Gefährlich wird es nur dann, wenn man als Mensch tatsächlich größere Mengen davon verspeist. Wir Menschen sind in dieser Hinsicht bei weitem nicht so stark gefährdet wie ein Pferd. Aber Jakobskreuzkraut ist ganz einfach vollkommen ungenießbar. Kein Mensch wird das extrem bittere Kraut freiwillig essen. Selbst wenn man neugierig mal auf einem Blatt herumkaut, wird man es direkt völlig angeekelt wieder ausspucken. Die Gefahr eine tödliche Menge davon zu verspeisen ist für Menschen somit gleich NULL. Es stellt somit auch keine Gefahr für spielende Kinder dar. Kinder reagieren für gewöhnlich auf bittere Lebensmittel noch viel natürlicher und schneller als Erwachsene, indem sie ausspucken, was nicht schmeckt – während wir Erwachsenen möglicherweise aus Scham oder Anstand lieber schlucken statt auszuspucken.

Fazit

Das Jakobskreuzkraut ist weder für uns Imker, noch für die Bienen, noch für Honigliebhaber ein wirkliches Problem!

Insektengetummel auf dem Jakobskreuzkraut
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